In den ersten Teilen des Schrebergarten 1×1 ging es ja darum, wie man einen Schrebergarten findet und was man bei der Wahl eines Schrebergartens beachten sollte. Heute geht es um die Frage: „Was kostet ein Schrebergarten?“ und ich versuche, sie zu beantworten. Ich versuche die Kosten für Anschaffung und den laufenden Unterhalt nachvollziehbar aufzuschlüsseln. Uns konnte das vorab nämlich keiner so genau sagen. Wahrscheinlich ist das auch von Bundesland zu Bundesland und von Kolonie zu Kolonie total verschieden, aber ich schreibe Dir hier mal ein paar allgemeine Zahlen zusammen, die grobe Richtung kannst Du Dir dann ableiten.

Anschaffungskosten für einen Schrebergarten

ab 3.000,- EUR einmalig

Bei Übernahme eines Gartens leistet man ja eine Abstandszahlung an den Vorbesitzer und kauft ihm sozusagen die Laube (wenn vorhanden), und den bestehenden Aufwuchs ab (damit sind Rasen, Bäume, Sträucher, Blumen etc. gemeint). Der maximale Preis wird von einem Abschätzer (Gutachter) festgelegt und hier in Berlin gibt es Gärten so ab 3.000,- EUR. Wenn Du in einem anderen Bundesland wohnst, kann das auch mehr oder weniger sein. Überall gleich ist, dass die sehr günstigen Gärten alle einen „Haken“ haben. Entweder sind sie total verwildert, haben keine Infrastruktur wie Wasser, Abwasser, Strom, oder es regnet in die Gartenlaube hinein und man muss erst mal das Dach sanieren. Hier gilt es gut abzuwägen. Unser Garten war mit 4.000,- EUR im Verhältnis günstig, wir haben aber bisher mindestens nochmal die gleiche Summe für den Stromanschluss und weitere Reparaturen reingesteckt. Achtung: was wirklich ins Geld gehen kann sind Abrisskosten! Erkundige Dich also vorab genau, ob (ein Teil) der Laube z.B. wegen zu großer Größe rückgebaut werden muss.

Laufende Kosten für Pacht, Vereinsbeitrag, Wasser etc.

ca. 50,- EUR pro Monat

Irgendein undurchsichtiges Gesetz regelt, dass die reine Pacht in Berlin nicht mehr als 36 ct pro qm/Jahr betragen darf. Da kommen wir bei unserem 280 qm großen Garten auf ca. 100,- EUR im Jahr. Dazu kommen jedoch noch viele viele andere Kleinigkeiten, bei denen ich z.T. nicht weiß, was das ist. Ich denke, es werden auch einige Kosten des Vereinsheims auf uns umgelegt

Zahlungen an den Kleingartenverein:

  • Pacht 100,- EUR
  • Grundstücksbelastungskosten 53,- EUR
  • Pachtgebühr Gemeinschaftsfläche 10,- EUR
  • Wassergeld (immer vom Vorjahr) 60,- EUR (das kann deutlich günstiger sein, wenn der Garten einen Brunnen hat)
  • Zählermiete Hauptuhr 5,- EUR
  • Ansparbetrag neue Stromleitung 25,- EUR *
  • Versicherungen Verein 11,- EUR
  • Post-, Bank-, Telefongebühren Verein 7,- EUR
  • Vereinsbeitrag 25,- EUR
  • Abschlag Arbeitsstunden 30,- EUR
  • Abführung Bezirksverband 57,- EUR
  • Müllabfuhr 80,- EUR
  • Beleuchtung Hauptweg 25,- EUR
  • Öffentlich-rechtliche Lasten Gemeinschaftsfläche 5,- EUR

* unsere Kolonie bekommt in den kommenden Jahren eine neue Hauptstromleitung. Dafür sparen wir alle über einige Jahre schon einen Sockelbetrag an.

Gesamt: 493,- EUR pro Jahr

Dazu kommt noch die Feuerversicherung der Laube mit 25,- EUR und Stromkosten mit ca. 150,- EUR (da haben wir noch keine Abrechnung, aber das schätze ich ungefähr)

Anschaffungskosten für Material und Gartengeräte

variabel, ca. 500,- EUR einmalig

Wenn Du hier Geld sparen möchtest, dann versuche am besten, einiges vom Vorpächter zu übernehmen. Wir haben auch einiges bei eBay Kleinanzeigen gekauft (dort findest Du übrigens auch immer wieder Pflanzen, z.B. zum selbst ausbuddeln und Du kannst auch gut Sachen oder Pflanzen darüber loswerden) Rasenmäher & Co. gehen schnell ins Geld und auch die Kosten für Handgeräte wie Gartenschere, Rechen, Staudenstützen, Rankgitter, etc. summieren sich schnell. Hier findest Du übrigens meine Liste mit den wichtigsten Werkzeugen. Man sagt ja immer, wer billig kauft, kauft zweimal, aber ich habe im unteren Preissegment gute Erfahrungen mit den Gartensachen von Lidl gemacht. Die gibt’s online, aber auch als saisonale Angebote in der wöchentlichen Werbung.

Tomatenpflanze selbst ziehen

Kosten für Pflanzen und alles andere was Spaß macht

Biosaatgut Starterset für Gemüse, ca. 50,- EUR einmalig

Ja und dann das eigentliche Gärtnern. Das kann man ja wirklich ganz nach dem eigenen (finanziellen) Geschmack gestalten. Vom veredelten Luxus-Bio-Gemüse aus dem Versandhandel bin zum selbst ziehen aus geschenkten oder selbst gesammelten Samen ist alles möglich. Ich muss zugeben, ich habe eine Schwäche für ungewöhnliche Pflanzen, wie Wasserspinat oder Tomatillos. Hier habe ich mir anfangs einiges an Startersaatgut gekauft und bin noch nicht sicher, ob ich bei allen Sorten auch selbst wieder Saatgut sammeln kann. Im Verhältnis erstaunlich billig sind Bäume und Sträucher. Man bekommt schon ab 20 EUR,- wirklich tolle Pflanzen.

Schädlinge und Krankheiten

ca. 50,- EUR pro Jahr

Ein Kostenpunkt, den ich vor dem Kauf des Gartens nicht bedacht hatte sind diverse Schädlinge und Krankheiten. Kirschfruchtfliege, Pflaumenwickler, Schnecken, Kohlfliegen,… Sie alle denken, sie wären im Garten am kalten Buffet. Bis zu einem gewissen Grad verständlich und auch ok für mich, aber wenn dann in jeder Kirsche ein Wurm ist, sinkt meine Toleranz doch etwas. Keine Angst, ich kippe keine chemische Keule in meinen Garten, aber ich besitze mittlerweile eine interessante Sammlung an Pheromonfallen, Netzen, Gelbtafeln, Pappringen, Kleberingen, etc. um diverse Tierchen von diversen Stellen fernzuhalten oder ihre Anzahl zu dezimieren. Auch im Kampf gegen Kräuselkrankheit, Mehltau, Blattfleckenkrankheit und Gitterrost kann man Geld für Blattstärkungsmittel ausgeben.

Ein Hochbeet bauen

ab 150,- EUR, je nach Modell

Ein großer Trend beim Hobbygärtnern ist der Bau von Hochbeeten. Mit unserem nährstoffarmen, sehr sandigen Boden war das auch für uns eine gute Möglichkeit, bessere Erträge zu erzielen. Wir haben ein recht einfaches und günstiges System aus Palettenrahmen mit Teichfolie und Mäusedraht. Der größte Teil der Füllung besteht aus Gartenabfällen – nur das obere Viertel haben wir mit hochwertiger gekaufter Erde aufgefüllt.

Reparaturen und Unvorhergesehenes

Mit dem Erwerb einer Gartenlaube wird man auch zum Hausbesitzer. Zwar eines wahrscheinlich sehr kleinen und einfachen Hauses, aber man hat auf einmal Verantwortung für eine Immobilie. Wenn die Regenrinne verrostet ist, braucht man eine neue, alle paar Jahre muss das Haus gestrichen werden und ein undichtes Dach muss man auch neu decken. Ich will Euch auf keinen Fall den Spaß verderben, aber man braucht definitiv ein kleines finanzielles Polster, wenn man ruhig schlafen möchte.

Schokoladenblume Staudenmarkt Berlin

Besuch des Staudenmarktes

ab 1o0,- EUR pro Jahr

Ein Highlight meines Gartenjahres ist der Besuch des Berliner Staudenmarktes. Dort gibt es die schönsten Pflanzen und die beste Beratung! Ein kleiner (unnötiger) Luxus, den ich mir gönne.

Meine Spartipps für den Schrebergarten

  • Stelle Dich mit den Nachbarn gut und teile Großgeräte wie Häcksler, Kettensäge, Heckenschere. Achte darauf, so viel zu geben wie Du nimmst!
  • Tausche Pflanzen und Saatgut mit den Nachbarn oder auf lokalen Pflanzentauschmärkten.
  • Achte beim Saatgutkauf darauf, nur samenfestes Saatgut zu kaufen (keine F1 Hybriden), da Du diesen Pflanzen wieder Saatgut entnehmen kannst.
  • Suche Dinge die Du brauchst über Kleinanzeigen oder auf Flohmärkten.
  • Hilf deinen Nachbarn und bitte sie um Hilfe. Nicht immer musst Du teure Handwerker bezahlen, wenn jemand mit anpackt. Achte auch hier darauf so viel zu geben, wie Du nimmst.

Das war heute ja ganz schön faktenlastig, aber ich finde es super wichtig, sich die Kosten vorab klar zu machen, damit man weiß, worauf man sich einlässt. Die Glücksgefühle und die Entspannung, die mir der Garten gibt, sind für mich tatsächlich unbezahlbar kostbar, dafür verzichte ich auch gerne auf andere Sachen, die ich viel weniger brauche!

 

 

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