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Mais im Indianerbeet
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Die drei Schwestern | Gemüse-Wohngemeinschaft im Indianerbeet

Wenn Ihr Euch mit der Planung Eures Gemüsegartens beschäftigt, werdet Ihr immer wieder auf die Konzepte der Fruchtfolge und der Mischkultur treffen. Anfangs wirkte das auf mich alles sehr undurchsichtig: Pflanzenfamilien, Starkzehrer, Schwachzehrer, Selbstunverträglichkeit und riesige Tabellen, wer mit wem kann oder auch nicht. Ich fühlte mich zurückversetzt in den Lateinunterricht im Gymnasium, für den ich stundenlang Deklinationen und unregelmäßige Verben auswendig lernen musste. Als Hobbygärtner kommt man aber schon ziemlich weit, wenn man ein paar grundlegende Prinzipien verstanden hat und einige gängige Kombinationen kennt. Ist also alles halb so wild. Um es Euch leichter zu machen, kommt hier eine kurze pragmatische Erklärung für Anfänger und eine Anleitung für ein Indianerbeet zum Nachpflanzen.

Was ist Mischkultur und warum macht man das?

Wie bei uns Menschen auch, verstehen sich nicht alle Pflanzen gleich gut. Manche sind gute Nachbarn, die einander helfen und sich begünstigen, andere machen sich gegenseitig den Platz oder Nährstoffe streitig. Manche verströmen Düfte, die den Nachbarn ärgern, während andere mit ihrem Geruch gefräßige Feinde vertreiben. Wenn wir Gemüse und Kräuter in den richtigen Kombinationen anbauen, können wir starke Gemeinschaften schaffen. Dafür möchte ich Euch in den kommenden Wochen einige konkrete und einfach nachzupflanzende Tipps geben.

Was ist Fruchtfolge und wofür braucht man die?

Unterschiedliche Pflanzen brauchen unterschiedliche Nährstoffe. Wenn Ihr über mehrere Jahre immer die gleiche Pflanze an der gleichen Stelle anbaut, wird erstens der Boden einseitig ausgelaugt und zweitens die Wahrscheinlichkeit von Bodenschädlingen für eben diese Pflanze erhöht. Um das zu vermeiden, könnt Ihr Pflanzen mit unterschiedlichem Bedarf abwechseln und so den Boden schonen oder sogar wieder aufbauen. Schon die Bauern im Mittelalter pflanzten nach dem Prinzip der Dreifelder-Wirtschaft – nichts anderes als eine vorgegebene Fruchtfolge.

Indianerbeet oder Milpa – Mischkultur-Geheimtipp der Maya

Beginnen möchte ich diese Serie zur Mischkultur mit einer konkreten Kombination: der Milpa, die ich dieses Jahr zum ersten Mal ausprobieren möchte. Die Mischkultur von Mais, Bohnen und Kürbis wird Milpa oder Indianerbeet genannt, da diese Art des Anbaus schon bei den Maya-Stämmen und später auch bei den nordamerikanischen Indianern sehr beliebt war. Das Wort „Milpa“, bei dem ich leider die ganze Zeit an Schokolade denken muss, bedeutet so viel wie „das nahe Feld“. Die Maya bauten die Kombination Mais, Bohne, Kürbis auf großen Feldern an. In meinem Kleingarten ich werde mich erst mal mit einem Quadratmeter begnügen.

Ich möchte Milpa dieses Jahr unbedingt mal ausprobieren, da sowohl Kürbis als auch Bohnen einen festen Platz in meinem Gemüseherzen haben und der Mais letztes Jahr super toll gewachsen ist und mir viel Freude gemacht hat. Ich freue mich schon, diese drei Lieblingssorten in einem Beet zu kombinieren. Da sich die drei Pflanzen prima ergänzen, wird die Kombination übrigens auch liebevoll „Die drei Schwestern“ genannt!

Warum ist die Kombination Mais – Bohne – Kürbis so toll?

Jede Pflanze übernimmt im Indianerbeet eine andere Aufgabe. Der Mais dient den Bohnen als Rankhilfe, während die Bohnen mit ihren Wurzelknöllchen Stickstoff im Boden binden, was wiederum Kürbis und Mais als Starkzehrer mit großem Nährstoffbedarf mit Energie versorgt. Der Kürbis dient allen Pflanzen als Mulch für den Boden und schützt die Erde vor Austrocknung. Klingt doch super, oder?

Meine Sortenwahl für das Indianerbeet

1. Schwester: Mais

Letztes Jahr habe ich einen bunten Popcornmais angepflanzt, der großartig ausgesehen hat, da auch einige Pflanzen dunkelrot und sogar lila gefärbt waren. Dieses Jahr pflanze ich ihn in den Schulgarten und für die Milpa-Kultur bei mir im Garten werde ich Bantam Mais anbauen.

Für Milpa ist es sinnvoll, die Maispflanzen ab Anfang April zuhause vorzuziehen, damit sie schon eine gewisse Größe erreicht haben, wenn die schnell wachsenden Bohnen gepflanzt werden. Schließlich soll der Mais ihnen ja als Rankhilfe dienen – da braucht er etwas Vorsprung.

2. Schwester: Kürbis

Dieses Jahr möchte ich Muskat- und Spaghettikürbis im Garten anbauen. 2 Pflanzen kommen wie jedes Jahr auf einen frisch aufgeschichteten Komposthaufen, und eine wird die dritte Schwester im Indianerbeet. Kürbis klappt bei mir im Garten bisher immer problemlos. Er wird hoffentlich auch dieses Jahr ein Selbstläufer sein.

3. Schwester: Stangenbohne

Ich werde wahrscheinlich eine lilafarbige Sorte aussäen, da sie sich farblich gut von den grünen Maispflnzen abhebt. Ich denke, dadurch wird es leichter, sie später beim Ernten im grünen Dschungel zu finden.

Der ideale Standort für das Indianerbeet
Die Milpa-Kultur benötigt einen sonniger Platz im Garten, am besten etwas an Rand, damit sie Euch nicht den Durchgang versperrt. Achtet bei der Auswahl eines geeigneten Standortes unbedingt auch auf den Schattenwurf. Der Mais wird sehr hoch und verschattet je nach Sonnenstand benachbarte Bereiche. Platziert ihn also so, dass Eure anderen Gemüsebeete noch genug Licht bekommen.

Ein Indianerbeet anlegen

Ich werde das Beet aus einem einzelnen Palettenrahmen bauen, wie ich sie auch für mein Hochbeete benutze. Diesen werde ich mit Häckselgut und Komposterde auffüllen, da unser sandiger Boden sehr mager ist. Wenn Ihr guten Gartenboden habt, könnt Ihr die Pflanzen natürlich auch ohne Rahmen direkt in die Erde setzen. Meine Milpa-Kultur im Rahmenbeet hat also eine Größe von 120 x 80 cm und bietet damit Platz für ca. 8 Maispflanzen und einen Kürbis. Sobald der Mais eine Höhe von ca. 60 cm erreicht hat, lege ich um jede Maispflanze ca. 6 Bohnensamen, deren Triebe ich im Laufe des Sommers am Mais nach oben leiten werde. Dazu pflanze ich eine kräftige Kürbispflanze, die sich hoffentlich selbst im Beet ausbreitet.

So viel zur Theorie – vielleicht habt Ihr ja Lust bekommen mitzumachen und wir können gemeinsam mit Milpa starten. Über den Sommer werde ich auf jeden Fall Updates mit Fotos posten und im Herbst gibt es dann hoffentlich ein Rezept für einen leckeren Eintopf mit Kürbis, Bohnen und Mais.

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3 Kommentare

  • Antworten
    Margi
    27. März 2018 at 17:03

    Interessante und spannende Kombination!!! Ich bin schon gespannt, was Du berichten wirst!
    Viele Grüße von
    Margit

  • Antworten
    Sandra
    2. April 2018 at 8:46

    Klingt super, ich habe nur leider nicht genug Platz für ein echtes Indianerbeet, die Schwestern Bohnen und Kürbis müssen ohne ihre Schwester Mais auskommen. Der würde immer irgendwas Beschatten, was ich nicht möchte. 🙂 Ich bin echt beeindruckt, was Du Dir immer einfallen lässt. Wirklich super und wünsche viel Erfolg mit den drei Schwestern!

  • Antworten
    Cecilia
    2. April 2018 at 10:58

    Liebe Caro,
    dieses Jahr bin ich mit von der Milpa-Partie!
    Tatsächlich habe ich die drei Schwestern schon mal vor über 20 Jahren angepflanzt, und – ganz standesgemäß – auf einer Indianerreservation in South Dakota. Hat super geklappt. Mal schauen, wie es sich als Großstadtindianerinnen machen.
    Herzlichst
    Cecilia

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