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Pfirsichblüte Spätfrost
Garten

Spätfrost, Eisheilige, kalte Sophie….

Pfirsich adé? Scheiden tut weh…

Auch uns hat im Garten letzte Woche der Frost erwischt. Nachdem unser schon etwas in die Jahre gekommener Pfirsichbaum letztes Jahr wegen der Kräuselkranheit nur einen einzigen (dafür unglaublich leckeren) Pfirsich hervorgebracht hat, wollten wir für dieses Jahr alles richtig machen. Der Baum hat also einen starken Rückschnitt erhalten – in der Hoffnung, dass er dieses Jahr kräftig neu austreibt – und ich habe ihn ab Februar regelmäßig gegen die Kräuselkrankheit behandelt. Er danke uns mit vielen Blüten und gesunden Blättern. Der Frost der letzten Woche hat meine Hoffnung auf eine bessere Pfirsichernte dieses Jahr jedoch etwas dezimiert. Ich hatte Pfirsich- und Kirschbäume zwar vorsorglich mit Vlies abgedeckt, beim Pfirsich hat das aber eventuell nicht gereicht.

5 Tipps zum Schutz vor Spätfrost

  • empfindliche Gemüsepflanzen (wie Tomaten, Kürbis, Gurken, etc.) wirklich erst nach den Eisheiligen ins Freiland pflanzen.
  • empfindliche Balkonpflanzen (z.B. Oleander) über Nacht ins Haus holen.
  • Obstbäume möglichst in geschützte Lagen pflanzen. An Hauswänden, neben Hecken, in Senken. Hier kühlt die Luft meist nicht so stark ab.
  • Frostempfindliches Gemüse (z.B. im Hochbeet) mit einem Vlies oder Folientunnel abdecken, Gewächshaus ggf. heizen
  • Obstbäume, wenn sie nicht zu groß sind, mit einem Frostschutzvlies einhüllen – dabei vorsichtig hantieren und darauf achten, die Blüten nicht abzureißen.

In professionellen Obstplantagen werden die Blüten bei nicht zu starken Minusgraden nachts in Intervallen mit einem feinen Wassernebel besprüht. Das gefrierende Wasser erhöht kurzzeitig die Temperatur und oft kann dadurch das schlimmste verhindert werden. Für den Hobbygärtner ist das allerdings keine sehr praktikable Methode…
…ach übrigens, am kältesten ist es meist am frühen morgen, kurz vor Sonnenaufgang.

Wer ist diese „kalte Sophie“ und was hat es eigentlich mit den Eisheiligen auf sich?

Der diesjährige Kälteeinbruch im April kam vergleichsweise früh, oft gibt es diese überraschend kalten Temperaturen ja erst nochmal Mitte Mai. Hier die meteorologischen Hintergründe: ab Anfang Mai sind die Temperaturen auf dem europäischen Festland meistens bereits recht hoch sind. Da sich das Meer allgemein langsamer erwärmt als der Kontinent, kommt es zu Temperaturdifferenzen zwischen Festland und Ozean, wodurch Tiefdruckgebiete entstehen können. Die Luftmassen verschieben sich und die warmen Luftströmungen des Festlands ziehen nach Norden. Dadurch wird kalte Polarluft auf das Festland gedrückt. In sternklaren Nächten sinken die Temperaturen so stark ab, dass es zu Nachtfrösten kommen kann. Besonders häufig wurde das Kältephänomen früher Mitte Mai beobachtet und nach den Namenstagen der entsprechenden Heiligen benannt.

Die einzelnen Eisheiligen und Ihre Namenstage

  1. Mamertus, Bischof von Vienne – 11. Mai
  2. Pankratius, frühchristlicher Märtyrer – 12. Mai
  3. Servatius, Bischof von Tongeren – 13. Mai
  4. Bonifatius, frühchristlicher Märtyrer – 14. Mai
  5. Sophia, die „kalte Sophie“ frühchristliche Märtyrin – 15. Mai

Spätfrost im Hobbygarten

Das Gärtnern ist für mich ja „nur“ ein Hobby, das mir einen sehr erfüllenden, analogen Ausgleich zu meinem digitalen Beruf bietet. Ich freue mich über jedes Blättchen, hege meine Setzlinge, kämpfe erbittert gegen Nacktschnecken und ärgere mich über den Pflaumenwickler. Über die Ernte freue ich mich sehr, bin aber nicht auf sie angewiesen. Wenn mir nun meine liebevoll gepäppeltem Tomaten erfrieren würden, wäre ich schon super traurig und enttäuscht, aber schlussendlich wäre das auch nicht sooo schlimm. Und bei vielen Pflanzen, die erfroren scheinen kann man ja auch noch hoffen, dass sie erneut austreiben. Ich bin immer wieder erstaunt, wie stark die Natur ist!

Manchmal stelle ich mir vor, wie das wäre, wenn wir nur das zum Essen hätten, was wir (erfolgreich) anbauen und werde ganz demütig gegenüber Landwirten, früheren Generationen oder Menschen in agrarisch geprägten Ländern. Auch das Gemüse im Supermarkt sehe ich seit wir den Garten haben mit ganz anderen Augen und wir kaufen weniger und werfen auch weniger weg. Für Natur und Landwirtschaft ein größeres Bewusstsein zu bekommen ist für mich ein wichtiger Nebeneffekt des eigenen Gärtnerns, den ich auch meinen Kindern weitergeben möchte. Na und die Pfirsiche werden wir dieses Jahr wahrscheinlich einfach nochmal im Laden kaufen…

 

PS: Tipp für den Wetterbericht

Die gängigen Wetterseiten oder auch die Wetter-App meines Handys sind mir oft zu oberflächlich und wenig aussagekräftig. Bei der Recherche für diesen Artikel bin ich auf die Seite des Deutschen Wetterdienstes gestoßen und war ganz begeistert über die umfangreichen Infos. Vielleicht kennt Ihr die Seite schon, wenn nicht, dann schaut sie Euch unbedingt mal an!

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9 Kommentare

  • Antworten
    Sandra
    23. April 2017 at 9:39

    Sehr schön und wieder so ausführlich! Ich kann vor allem den Part mit der Demut & dem Respekt vor denen unterschreiben, die auf die Ernte angewiesen sind und den Witterungsbedingungen ausgeliefert. Geht uns genauso und wir haben unsere Kaufentscheidungen mehrfach überdacht.

    • Antworten
      Hauptstadtgaertnerin
      24. April 2017 at 7:06

      Liebe Sandra,
      vielen lieben Dank! Genau darum ging es mir 🙂
      Dir einen schönen Start in die Woche!
      Liebe Grüße,
      Caro

  • Antworten
    Katharina
    23. April 2017 at 11:08

    Glaubst du ernsthaft, dass das jetzt die Eisheiligen waren?? Nachtfröste im April sind doch gar nicht so ungewöhnlich; das Blöde in diesem Jahr war ja eher, dass es im März schon so warm war und deshalb die Obstbäume jetzt schon in voller Blüte stehen.

    • Antworten
      Hauptstadtgaertnerin
      24. April 2017 at 7:03

      Liebe Katharina,
      danke für Deinen Kommentar. Zwischen Mitte April und Mitte Mai kann ich dann doch unterscheiden. 🙂 Mir ging es eher darum, darzustellen, dass VOR den Eisheiligen eben wettermäßig alles möglich ist und man, auch wenn es anscheinend schon warm war, nicht davon ausgehen kann, dass es nicht nochmal friert. Der für mich wichtigste Aspekt an meinem Artikel ist für mich jedoch wirklich, dass ich glücklicherweise nicht existenziell auf den Ertrag meines Gartens angewiesen bin.
      Liebe Grüße,
      die Hauptstadtgärtnerin

  • Antworten
    Miriam
    24. April 2017 at 5:43

    Wir setzen viele Pflanzen schon ganz früh nach draussen und haben damit gute Erfahrungen gemacht. Die Pflanzen, die das überstehen, sind dann erstaunlich widerstandsfähig. Es überstehen übrigens wesentlich mehr Pflanzen, als man vermutet. Ich habe den Eindruck, dass manche Pflanzen, wenn sie so lange drinnen vorgezogen wurden, ein wenig “verweichlicht“ werden. Was die Pfirsiche angeht: Warte mal ab! Bei unserem Pfirsich scheint es auch nicht gut auszusehen. Sieht es aber ehrlich gesagt, jedes Jahr nicht, aber nachdem wir ständig gegen die Kräuselkrankheit ankämpfen, haben wir jedes Jahr, mal mehr, mal weniger Pfirsiche. Ich finde dein Blog übrigens ganz ganz toll!

    • Antworten
      Hauptstadtgaertnerin
      24. April 2017 at 7:12

      Liebe Miri,
      danke Dir <3 Das freut mich sehr, sehr, sehr! Wegen dem Pfirsich: Abwarten ist ja meine ganz große Stärke 😉 Immerhin kann es Pfirsich-mäßig bei uns ja eher nur bergauf gehen... Pflanzt Ihr denn wirklich auch sowas wie Tomaten schon früh raus? Wenn ja, dann muss ich Dich dazu bei Gelegenheit auf jeden Fall mal löchern!
      Liebe Grüße!
      Caro

  • Antworten
    Björn Hanssen
    24. April 2017 at 8:14

    Hallo Caro,
    ich habe im Prinzip alle meine Setzlinge noch in der Wohnung stehen. Das, was Miriam geschrieben hat, gibt mir nun aber zu denken. Ich kann schon irgendwie nachvollziehen, dass die Pflanzen, die den Frost überstehen insgesamt widerstandsfähiger sind.
    Dieses Jahr hatten wir wohl wirklich das Problem zu hoher Temperaturen. Das es noch einmal kalt wird war ja zu erwarten. Ich bin nur froh, dass mein großer Apfelbaum noch nicht geblüht hat.
    …und überhaupt, so ein Wetter wie jetzt momentan prangere ich an! …
    Liebe Grüße
    Björn

  • Antworten
    Christian Gerd
    25. April 2017 at 18:26

    Hallo Caro,
    vielen Dank nochmal für den Hinweis beim #blogtisch: Habe meiner Freundin gleich erzählt, dass wir bzgl. des Ausbringens der Tomatensetzlinge noch die Eisheiligen abwarten müssen. Sie fragte mich darauf, wer das denn sei… 🙂
    In diesem Zusammenhang: Ich habe mich schon als Kind oft gefragt, warum das denn die letzte Kälteperiode ist und es nicht „danach“ auch nochmal Nachtfrost gibt. Gibt es dafür ebenfalls eine meteorologische Erklärung – ich meine dafür, dass der Spuk immer ab Mitte Mai endlich und endgültig vorbei ist?
    Liebe Grüße
    Christian

  • Antworten
    McMaries Kleingartenwelt
    29. April 2017 at 18:11

    Ich hatte auch einige Frostschäden an den Bäumen (trotz Vlies), aber der Großteil meiner Pflanzen hat sich nun nach der Kälte und dem Schnee wieder aufgerichtet und treibt aus. Ich pflanze nur wenig vor den Eisheiligen aus – das sind dann auch Pflanzen, die ein wenig Kälte oder kurzen Frost auch überstehen wie z.B. Salat, Spinat, Radieschen, etc. Trotzdem habe ich sie diesmal mit einer Folie geschützt und das war gut so, da wir so viel Schnee hatten.
    Und ich kann dir nur zustimmen: Ein Erwerbsgärtner oder Obstbauer ist von der Ernte abhängig und es geht schlichtweg um die Existenz und nicht so wie bei mir um gesunde Ernährung, Hobby und Spaß am Garten.
    Liebe Grüße
    Marie

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