,Mit Grünkohl bin ich erstmals nach meinem Umzug nach Berlin in Berührung gekommen, da er in Süddeutschland nicht verbreitet ist. Die Kollegen in meiner ersten Berliner Bürogemeinschaft kamen fast alle aus Bremen, und so war ein gemeinsames Grünkohl mit Pinkel Essen ein jährliches Highlight unseres Bürolebens. In diesem traditionellen Norddeutschen Gericht kommt der Grünkohl ja in recht träger und fettiger Begleitung daher – da konnte ich mir anfangs kaum vorstellen, dass er eigentlich wahnsinnig gesund ist.

In unserem Schrebergarten endet das Gartenjahr nicht im Herbst, sondern ich pflanze im Spätsommer noch eine zweite Runde Gemüse als Wintergemüse. Mit dem Kauf des Gartens habe ich Grünkohl also auch von seiner knackigen Seite kennengelernt. Da ich dieses Jahr durch unseren späten Sommerurlaub keine Jungpflanzen aus Samen ziehen konnte (die wären zwischenzeitlich vertrocknet) habe ich mich mit 6 Jungpflanzen im Gartencenter eingedeckt und diese im August ins Hochbeet gepflanzt. Die Pflanzen haben sich seitdem großartig entwickelt. Einmal habe ich bereits Grünkohl geerntet und wirklich köstliche Kale-Chips daraus gemacht. In den nächsten Wochen werden uns die Pflanzen hoffentlich weiter mit frischem Grün versorgen.

Grünkohl anbauen

Grünkohl wächst sehr schnell und fühlt sich besonders wohl auf nährstoffreichen Böden mit gutem Wasserspeichervermögen. Sobald die Jungpflanzen 3-4 Blätter haben, könnt Ihr sie ins Beet pflanzen. Achtet darauf, dass die Erde bis zu den Keimblättern reicht und häufelt die Pflanzen etwas an, um der Kohlfliege das Eierlegen zu erschweren. Alternativ könnt Ihr auch einen Kohlkragen benutzen oder ein feines Netz über das Beet spannen. Grünkohl braucht relativ viel Platz – lasst also einen Mindestabstand von 40 cm zwischen den Pflanzen. Wenn der Grünkohl reif ist, erntet Ihr die Blätter am besten immer von unten her. Man kann den Grünkohl angeblich anregen, im März erneut auszutreiben. Dazu soll man die restlichen Blätter zurückschneiden, wobei man das Herzblatt unversehrt lässt. Das werde ich im kommenden Frühjahr mal ausprobieren!

Gute Nachbarn – schlechte Nachbarn

Gute Nachbarn für Grünkohl sind Tomaten, aber auch Hülsenfrüchte, Spinat, Radieschen, Gurken oder Salate. Schlechte Nachbarn für Grünkohl sind Zwiebeln, Kartoffeln, aber auch andere Kohlsorten.

Schädlinge und Krankheiten

Neben der bereits erwähnten Kohlfliege sind weitere potenzielle Schädlinge die Raupen des Kohlweißlings, Erdflöhe, Läuse und Schnecken, bei Trockenheit auch die Weiße Fliege. Über den Kohlweißling habe ich neulich ein großartiges Gedicht von Wilhelm Busch gelesen, das ich Euch ganz am Ende des Artikels aufschreibe. Die gefährlichste Krankheit für Kohlsorten ist die Kohlhernie, die auch im Boden überwintert. Achtet daher beim Kohl besonders auf einen jährlichen Fruchtwechsel. Noch ein Tipp: gegen den Kohlweißling pflanze ich Kapuzinerkresse als „Opferpflanze“, da sie den Raupen noch besser zu schmecken scheint als der Kohl selbst.

Grünkohl – regionales Superfood

Was ist also alles Tolles drin im Grünkohl? Grünkohl enthält sehr viel Proteine und ist wie alle Kohlsorten sehr ballaststoffreich. Zudem enthält er die Vitamine A, B, C und K, Folsäure,Flavonoide, Betacarotin, Calcium, Phosphor, Kalium, Magnesium und Fluorid. Wenn es Dir auf die Vitamine ankommt, dann genieße den Grünkohl möglichst roh in einem grünen Smoothie oder sanft gedörrt als Grünkohl-Chips.

Kann ich Grünkohl schon vor dem Frost ernten?

Ja, kannst Du! Dass man bis nach dem Frost warten muss oder es gar etwas bringt, den Grünkohl nachträglich einzufrieren, ist ebenso ein Ammenmärchen wie die Auffassung, man dürfe Hagebutten erst nach dem Frost pflücken. Richtig ist, dass der Grünkohl im Laufe der Reifezeit die enthaltene Stärke nach und nach in Zucker umwandelt und dadurch im Geschmack immer süßer wird. Die Regel mit dem Frost hat sich daraus entwickelt, dass bei späten Sorten eben schon Frost herrscht, wenn der Grünkohl ausgereift ist – theoretisch kannst Du Grünkohl (mit der richtigen Sortenauswahl*) aber rund ums Jahr anbauen.

Grünkohl Sorten

Vorab: es gibt sowohl niedrige als auch halbhohe und hohe Grünkohlsorten und dann noch Arten mit verschiedenen Blattformen und -farben. Wenn Ihr in einer schneereichen Gegend wohnt und im Winter nicht regelmäßig im Garten seid, dann nehmt am besten niedrigere Sorten, da die höheren leicht unter der Schneelast zusammenbrechen.

  • Halbhoher grüner Krauser ist eine bewährte Standardsorte, die man oft auch als Jungpflanze im Gartencenter bekommt
  • Ostfriesische Palme ist eine regionale Sorte, die mehr als 150 cm hoch werden kann. Die unteren Blätter können nur als Viehfutter verwendet werden, da sie sehr fest sind, die oberen Blätter aber sind zart und lecker.
  • Braunkohl Roter Krauskohl ist eine Neuzüchtung aus verschiedenen alten Braunkohlsorten. Die Blätter sind rotbraun und der Kohl enthält besonders Flavonoide und Carotinoide, die Krebsvorbeugend wirken sollen. Leider ist er nicht ganz so frosthart.
  • Palmkohl ist die italienische Variante des Grünkohls. Die Pflanzen haben dunkelgrüne blasige Blätter, die wie bei einer Palme angeordnet sind. Da er ursprünglich aus Italien stammt, ist er leider nicht so frosthart wie deutsche Grünkohlsorten.

Ich wünsch Euch viel Spaß mit Grüner Krauser & Co.!

Habt Ihr Lieblingsrezepte mit Grünkohl? Wenn ja, dann freue ich mich sehr über Eure Tipps in den Kommentaren!

 


 

Hier kommt noch das versprochene Gedicht. Ich habe es in einem wunderbaren kleinen Buch* gelesen, das ich letzte Woche geschenkt bekommen habe. Ich war ganz erstaunt, darin gleich ein „Rezept“ aus früheren Tagen zum Umgang mit den Raupen des Kohlweißling mitgeliefert zu bekommen. Da bleibe ich persönlich doch lieber bei der Netz- und Kapuzinerkresse-Methode…

DER KOHL

von Wilhelm Busch

Unter all den hübschen Dingen
In der warmen Sommerszeit
Ist ein Korps von Schmetterlingen
Recht ergötzlich insoweit.

Bist Du dann zu Deinem Wohle
In den Garten hinspaziert,
Siehst Du über Deinem Kohle
Muntre Tänze aufgeführt.

Weiß gekleidet und behende
Flattert die vergnügte Schar,
Bis daß Lieb und Lust zu Ende
Wieder mal für dieses Jahr.

Zum getreuen Angedenken,
Auf den Blättern kreuz und quer,
Lassen sie zurück und schenken
Dir ein schönes Raupenheer.

Leidest Du, daß diese Sippe
Weiterfrißt, wie sie begehrt,
Kriegst Du nebst dem Blattgerippe
Nur noch Proben ohne Wert.

Also ist es zu empfehlen,
Lieber Freund, daß Du Dich bückst
Und sehr viele Raupenseelen,
Pitsch aus ihren Häuten drückst.

Denn nur der ist wirklich weise,
Der auch in die Zukunft schaut.
Denk an Deine Lieblingsspeise:
Schweinekopf mit Sauerkraut.

 

 

* Affiliate Link