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Passendes Edelreis für Veredelung auswählen
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Obstbaum veredeln Schritt für Schritt

Nach meinem Interview mit Frank Wetzel hatte ich die Gelegenheit, ihm bei der Veredelung eines Apfelbaumes zuzusehen. Auf den nachfolgenden Bildern seht Ihr die einzelnen Schritte. Die Reiser gehören einer lieben Bekannten, die ich über Instagram kennenglernt habe und die sich den Apfelbaum ihrer Kindheit für drei neue Bäumchen veredeln ließ. Wäre es nicht toll, wenn ich in einigen Jahren diesen Artikel mit einem Bild der Äpfel ergänzen könnte?

Welche Reiser sich für die Veredelung eignen und wie man sie schneidet, könnt Ihr im Beitrag über meinen Pflaumenbaum nachlesen. Diese Veredelungsreiser gebt Ihr dann der Baumschule Eures Vertrauens. Mir reicht es für’s Erste, das Prinzip zu verstehen, Ihr könnt es aber natürlich auch selbst einmal versuchen. Für alle, die sich tiefer ins Thema einarbeiten möchten, suche ich bei Gelegenheit noch einen Buchtipp und eine Bezugsquelle für Veredelungsunterlagen heraus. In der Zwischenzeit könntet Ihr z.B. auch ein Edelreis auf einen bestehenden Baum veredeln.

Das Prinzip ist immer ähnlich: Man schafft durch einen scharfen schrägen Schnitt sowohl am Reis, als auch an der Unterlage eine gleich breite „Wunde“, legt das Kambium der beiden Teile passend übereinander, verbindet die Veredelungsstelle fest mit einem geeigneten Veredelungsband und hofft, dass die beiden Zweige gut zusammenwachsen.

 

Wie eine Veredelung Schritt für Schritt aussieht, habe ich hier für Euch dokumentiert.

1. Edelreis auswählen

Man sucht sich aus den vorhandenen Reisern ein möglichst dickes und gerades aus. Idealerweise hat es die gleiche Stärke, wie die Unterlage. In unserem Fall war es etwas dünner. Das klappt auch, allerdings wird das Reis dann eher seitlich angesetzt.

Passendes Edelreis für Veredelung auswählen

 

2. Edelreis prüfen

Für die Veredelung eignen sich nur Äste, die noch Saft führen und noch nicht vertrocknet sind. Um das zu prüfen, kann man mit dem Daumennagel an der Spitze des Zweiges etwas von der Rinde wegkratzen. Wenn das Kambium noch grün ist, lebt der Zweig noch. Angeblich rührt von diesem Kratzen und Gucken der sprichwörtliche „Grüne Daumen“!

Der Grüne Daumn

 

3. Edelreis auf die passende Länge schneiden

Nun kürzt man den Ast mit einer scharfen Gartenschere auf eine Länge von ca. 15 cm. Idealerweise wählt man dabei einen möglichst starken und geraden Abschnitt aus.

Zweig vor der Okkulation oder Kopulation auf die passende Länge kürzen

 

4. Reis und Veredelungsunterlage schräg anschneiden

Achtung, hier wird’s gefährlich: (Herr Wetzel meinte auch: „Das ist die Stelle, dann der man sich jetzt in den Finger schneidet.“) Jetzt schneidet man den Zweig und die Unterlage mit einem scharfen Messer schräg an. Falls Ihr es selbst probieren wollt, achtet dabei darauf, dass die Anschnitte möglichst exakt die gleiche Breite haben.

Edelreis für Veredelung anschneiden

Hier könnt Ihr das schräg angeschnittene Veredelungsreis sehen. Mich hat es an’s Anschneiden von Rosen für die Vase erinnert – nur eben viel exakter.

Obstbaumveredelung Anschnitt des Zweiges prüfen

Im Vordergrund seht Ihr die angeschnittene Unterlage. Da das Reis in unserem Fall dünner war als die Veredelungsunterlage, wird von dieser nur ein feiner Streifen weggeschnitten. So passen die beiden Teile später genau aufeinander.

Apfelzweig fertig für die Veredelung

 

5. Teile zusammenfügen

Jetzt werden die beiden Teile so übereinander gelegt, dass sich die Schnittflächen der Rinde berühren und das Kambium genau aufeinander liegt. Um das Verrutschen des Edelreises zu verhindern, kann man eine kleine Kerbe in die Unterlage schneiden und das Reis in dieser fixieren.

Passung von Edelreis und Veredelungsunterlage prüfen

6. Veredelung fixieren

Zum Schluss wird die Veredelung mit einem speziellen Band fixiert. Es sieht aus wie ein leicht milchiger, breiter Klebestreifen. Es hat den Vorteil, dass es gut fixiert, sich aber nach einigen Monaten von selbst auflöst. Da der neue Baum mit der Zeit ja an Dicke zulegt, würde eine dauerhafte Umwicklung einschneiden. Mit dem praktischen Veredelungsband hat man hier keine Probleme.

Apfelbaum Veredlung Unterlage und Edelreis verbinden

7. Fertige Veredelung einpflanzen

Jetzt ist das neue Bäumchen soweit fertig. Die wurzelnackte Veredelung stellt man über Nacht ins Wasser und pflanzt sie am nächsten Tag entweder direkt an den zukünftigen Standort oder in einen 5 Liter Topf mit torffreier Blumenerde. Wenn man sich für die Topfversion entscheidet, sollte man die Pflanze für einige Monate in ihm belassen, bis der Ballen gut durchwurzelt ist. Würde man den Baum früher umpflanzen, würde man die gerade neu gebildeten Wurzeln wieder beschädigen.

Veredelter Apfelbaum mit Veredelungsstelle

Wie man aus so einer Veredelung einen Obstbaum von Grund auf erzieht, werde ich Euch anhand meines neuen Pflaumenbaumes in den kommenden Jahren dokumentieren.

 

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4 Kommentare

  • Antworten
    Margit
    17. Februar 2018 at 15:44

    Das ist schon die hohe Schule der Gartenkunst. Ich überlass das lieber den Profis! Aber interessant finde ich es schon, dass man so alte Sorten „retten“ kann!
    Viele Grüße von
    Margit

    • Antworten
      Hauptstadtgaertnerin
      17. Februar 2018 at 17:27

      Liebe Margit,
      ich bin auch sehr froh, dass ich das nicht selber machen musste und an einen Profi abgeben konnte. 🙂
      Liebe Grüße,
      Caro

  • Antworten
    Marlen (mabe_berlin)
    18. Februar 2018 at 12:14

    Liebe Caro, danke für diesen wunderbaren Beitrag. Ja, ein Bild vom Apfel in ein paar Jahren wäre fantastisch.
    Fröhliche Grüße!

  • Antworten
    Irma Diener
    18. Februar 2018 at 20:36

    Mich begeistert das immer wieder. Meine Tochter hatte mal eine Kindergartenfreundin, da hat der Opa 11 (!) Sorten Äpfel auf einen Baum gepfropft. So konnte man in einem kleinen Garten von Ende Juli bis Anfang Oktober erntereife Äpfel pflücken.

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