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Pfirsichbaum Kräuselkrankheit vermeiden
Garten

Pfirsichbaum gegen Kräuselkrankheit behandeln

Gleich am Eingang zu unserem Garten steht ein schon etwas in die Jahre gekommener Pfirsichbaum, der im Frühling immer wunderschön rosa blüht.

Im ersten Jahr habe ich mich gewundert, dass viele der Blätter blasige Verformungen aufwiesen und dachte zuerst an Blattläuse oder andere „Besucher“. Nach etwas Recherche stellte ich jedoch fest, dass mein Baum anscheinend mit der Kräuselkrankheit befallen war.

Auslöser ist ein Pilz (Taphrina deformans), der in den Blattknospen überwintert und – sobald die Temperaturen auf um die 10°C steigen – die erste Generation der neuen Blätter schon während des Austriebs befällt. Wenn Ihr die Krankheit vermeiden möchtet, solltet Ihr den Baum also schon im Spätwinter – vor dem Schwellen der Knospen – behandeln. Neben Pfirsichen können übrigens auch Nektarinen- und Mandelbäumchen befallen sein. Wichtig also alle zu behandeln, wenn mehrere Arten im Garten stehen.

Pfirsichbaum gekräuselte Blätter

Kräuselkrankheit erkennen

Wenn die Blätter kurz nach dem Austrieb verschrumpeln, sich gelblich verfärben oder Blasen werfen und ein Befall mit Blattläusen ausgeschlossen werden kann (dazu einfach mal auf der Blattunterseite nach Läusen gucken) ist das ziemlich sicher die Kräuselkrankheit. Im Normalfall wird nur die erste Blattgeneration befallen und der Baum wirft die kranken Blätter im Laufe des Frühjahrs ab. Im Juni gibt es dann meist noch einen zweiten Austrieb neuer Blätter, die meist gesund und kräftig sind.

Auswirkungen der Kräuselkrankheit

Keine Angst, auch wenn Euer Baum die Kräuselkrankheit hat, ist nicht alles verloren. Zwar kann es passieren, dass Früchte abfallen oder die reifenden Früchte leicht verformt sind, sie sind aber trotzdem genießbar. Es kann nur sein, dass der Baum durch die fehlenden Blätter mit wenig Kraft in den Winter geht und dann im schlimmsten Fall erfriert. Auch die Knospenbildung fürs Folgejahr kann beeinträchtigt sein. Bei sehr starkem Befall kann auch Gummifluss auftreten, durch den im schlimmsten Fall sogar Triebe absterben, aber auch davon kann er sich bei guter Pflege im Laufe der Zeit erholen.

Kräuselkrankheit vermeiden

Man kann den Pilz nicht nur behandeln, einige vorbeugende Maßnahmen können einem Befall auch vorbeugen:

  • Feuchtigkeit begünstigt das Pilzwachstum – deshalb idealerweise einen geschützten, aber gut durchlüfteten Standort (z.B. unter einem Dachvorsprung) wählen. Auf Grund der geringeren Niederschläge tritt der Pilz im mediterranen Raum auch weniger auf.
  • Pfirsichbäume regelmäßig auslichten (zurückschneiden – das regt übrigen auch die Blühfreude an), damit die Blätter nach Regen möglichst schnell wieder abtrocknen können.
  • Eventuell befallene Blätter und Fruchtmumien absammeln und konsequent aus dem Garten entfernen. Es kann sich lohnen nicht zu warten, bis befallene Blätter abfallen, sondern sie gleich vom Baum zu pflücken und über den Hausmüll zu entsorgen.
  • Eine tolerantere Pfirsichsorte pflanzen. Gelbe Pfirsiche sind oft besonders gefährdet, während weiß- und rotfleischige Sorten oft unanfälliger sind. Komplett resistente Sorten gibt es bisher leider nicht, aber viele Gärtner haben gute Erfahrungen mit Weinbergpfirsichen (auch Plattpfirsiche genannt) gemacht und auch von der Sorte „Revita“ habe ich Gutes gehört. Die Toleranz beruht vor allem auf einem starken Wuchs besonders später im Jahr, wenn der Pilz nicht mehr aktiv ist. Auf den späten Austrieb im Sommer hat der Pilz keinen Einfluss mehr, da er bei Wärme nicht gut gedeiht und der Baum ihm sozusagen „davonwächst“. Mit etwas Glück kann die Pflanze so noch genug Reservestoffe einlagern, um gut durch den Winter zu kommen.

Und was jetzt? Behandlungsmöglichkeiten gegen die Kräuselkrankheit

Wenn Ihr (wie ich) in Eurem Garten biologisch gärtnert: geht nicht mit dem Anspruch ran, dass die Kräuselkrankheit ganz verschwindet. Es reicht, sie möglichst stark einzudämmen, um den Baum vital zu erhalten.

  • Ich nutze ein Blattstärkungsmittel „Neudo-Vital Obst-Spritzmittel“ , das gespritzt und über die Blätter direkt aufgenommen wird. Ich besprühe je nach Temperatur ab Februar die schwellenden Knospen damit und wiederhole diese Behandlung ca. 1 Mal pro Woche für 3-5 Wochen.
  • Alternativ gibt es auch die Möglichkeit, mit einer verdünnten Kupferlösung (die wohl im Biolandbau viel verwendet wird) zu spritzen – das kann ich jedoch nicht beurteilen, da ich dazu keine eigenen Erfahrungen habe. Bei Bioland gibt es aber ein paar Interessante Hintergrund-Infos.
  • Man könnte auch noch stärkere Geschütze auffahren und ein Fungizid benutzen. Für den Hausgarten ist gegen die Kräuselkrankheit nur Duaxo Universal pilz-frei von Compo zugelassen – diese Info aber nur zur Vollständigkeit. Für mich kommen als biologische Gärtnerin solche Produkte nicht in Frage.

Egal was Ihr spritzt: tragt dabei möglichst einen Mundschutz und eine Brille, da vernebelte Stoffe weder in die Lunge, noch in die Augen kommen sollten, auch wenn Blattstärkungsmittel im Garten vergleichsweise undenklich sind, haben sie auf Euren Schleimhäuten nix verloren.

Neulich war ich zum IVG Medientag in Köln und habe dort ein spannendes neues Produkt (Aquamix der Firma Birchmeier) gesehen; eine Dosierflasche für Spritzmittel (z.B. Milch gegen Mehltau oder Neem gegen saugende Insekten wie Blattläuse) und Effektive Mikroorganismen, die direkt an den Gartenschlauch angeschlossen werden kann. An einem Regler kann man die gewünschte Verdünnung einstellen. Leider kann ich sie gegen die Kräuselkrankheit nicht nutzen, da unser Gartenwasser im Winter abgestellt ist. Vielleicht ist wie aber was für diejenigen unter Euch, die auch im Winter draußen über fließendes Wasser verfügen.

Und wenn Ihr im Februar im Garten seid, könnt Ihr an einem schönen Tag – wenn der Boden hoffentlich schon offen und nicht mehr gefroren ist – ein paar Dicke Bohnen (auch Saubohnen oder Ackerbohnen genannt) säen.

Jetzt auf jeden Fall einen guten Start in die neue Gartensaison und eine reiche Pfirsichernte. Falls Ihr noch einen Tipp hat, der hier noch nicht beschrieben ist, dann hinterlasst mir gerne einen Kommentar.

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2 Kommentare

  • Antworten
    Torsten
    19. Februar 2020 at 7:38

    Das Neudorff Mittel hat bei unserem Pfirsich auch ganz gut geholfen. Man muss nur früh genug mit dem Spritzen anfangen.
    Habe irgendwo gelesen, dass auch im Wurzelbereich gepflanzter Knoblauch gegen diverse Pilzkrankheiten und andere Parasiten helfen soll.
    Werde das mal testen, denn Knoblauch kann man sowieso nie genug in der Küche haben 😉
    Bei Kupfer wäre ich auch skeptisch und lasse es lieber weg.

  • Antworten
    Stephie
    19. Mai 2020 at 3:47

    Meerettich im Wurzelbereich gepflanzt soll auch helfen u eine Brühe aus Knoblauch gekocht. Und fleissig befallene Blätter absammeln und entsorgen.

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