Seit einiger Zeit wohnt ein lustiger Gast in unserem Küchenregal. Sein Name ist Scoby und er hat wohl einen im Tee. Wir füttern ihn mit reichlich Zucker und Schwarztee, dafür liefert er uns ein prickelndes, leckeres, gesundes und probiotisches Getränk: hausgemachten Kombucha.

Wer bitte ist dieser Scoby und was macht der?

Hattet Ihr als Kind auch mal einen Hermann-Kuchen? Man bekam einen Kettenbrief, sagte ja und kurze Zeit später hielt man eine Portion Teigansatz in Händen. Mit etwas Glück haben sich auch die Eltern darüber gefreut und einem geholfen, den Hermann zu füttern und zu pflegen. Nach 10 Tagen wurde aus einem Teil Kuchen gebacken, aus einem Teil einen neuen Ansatz gemacht und der Rest per Briefchen unter die Leute gebracht. Ich weiß noch, dass ich damals bei solchen Spielchen einen echten Heimvorteil hatte – meine Eltern hatten nämlich schon Anfang der 80er Jahre einen Kopierer. Der kopierte damals zwar nur schwarz-weiß und war gefühlt halb so groß wie ein Auto, aber es war super, dass ich die Hermann-Briefe nicht von Hand abschreiben musste.

Der Kombucha Scoby ist eigentlich der Hermann-Kuchen für Erwachsene, nur dass er Dank des fehlenden Kettenbriefteils weniger penetrant ist und statt einem Kuchen am Ende ein mega leckeres Getränk raus kommt. Das Wort Scoby ist übrigens eine Abkürzung für „symbiosis of bacteria and yeast“, was so viel bedeutet wie „Zusammenleben von Bakterien und Hefen“. Als Nahrung für Scoby dient stark gesüßter Schwarz- oder Grüntee, der in einem Zeitraum von 10-14 Tagen durch Fermentation in ein sauer-prickeldes Getränk umgewandelt wird. Genau mein Ding!

Vorteile von selbst gemachtem Kombucha

Fertigen Kombucha gibt es ja schon seit geraumer Zeit im Getränkeregal, meist ist dieser jedoch pasteurisiert. Die probiotischen Inhaltsstoffe, die ja genau der Witz am Kombucha sind, fehlen dadurch beim Industrieprodukt. Weiter sind viele industriell hergestellte Kombucha-Getränke stark nachgezuckert und spielen dadurch in einer Liga mit Cola & Co. „Lebendigen“ Kombucha gibt es zwar mittlerweile auch in vielen Bioläden im Kühlregal, da kostet er aber so viel, dass ich mir das nicht regelmäßig leisten kann und will.

Kombucha selber machen

Kombucha selber machen – so geht’s!

Zutaten

    Für 1 Liter Kombucha-Getränk
  • Kombucha-Scoby
  • Mindestens 100 ml fertiges Kombucha-Getränk mit lebenden Kulturen
  • 1 Liter heißes Wasser
  • 3 EL Teeblätter (schwarz oder grün)
  • 100 g Zucker (ich nehme Rohrohrzucker, mit Stevia o.ä. klappt es leider nicht)
    Falls Ihr größere Mengen Kombucha ansetzen möchtet, dann einfach die Menge vervielfältigen.
    Utensilien
  • Großer Glasbehälter – Tipps zur Behälterauswahl findet weiter unten
  • Küchenrolle
  • Gummiband
    Zum Abfüllen
  • Glasflaschen
  • Feines Plastiksieb
  • Trichter

Zubereitung

    Tee zubereiten
  1. Kocht einen starken Schwarzen Tee und lasst ihn ca. 10 Minuten ziehen.
  2. Gebt den Zucker dazu und löst ihn unter Rühren auf.
  3. Den Tee nun auf Zimmertemperatur abkühlen lassen. Bitte keinen heißen Tee zum Kombucha hinzufügen, denn das killt Deinen Scoby.
    Kombucha ansetzen
  1. Gebt mindestens 100 ml fertigen Kombucha pro Liter Tee in ein sauberes großes Glas mit mindestens 1,5 Liter Fassungsvermögen.
  2. Fügt den süßen Tee hinzu und legt den Scoby vorsichtig hinein.
  3. Verschließt das Glas mit einem feinen Baumwolltuch oder Papierküchenrolle und fixiert es mit einem Gummiring. Das verhindert, dass sich später Essigfliegen Euren Kombucha schmecken lassen.
  4. Stellt das Glas an einen ungestörten Ort, aber auf keinen Fall auf’s Fensterbrett in die Sonne.
  5. Lasst es dort für ca. 10 Tage in Ruhe stehen.
  6. Nach ca. 10 Tagen könnt Ihr den Kombucha probieren. Je länger Ihr ihn fermentieren lasst, desto mehr Zucker wird umgewandelt und desto säuerlicher wird das Getränk.
    Kombucha abfüllen
  1. Sobald der Kombucha fertig ist, filtert Ihr ihn am besten durch ein feines Kunststoffsieb.
  2. Am besten entnehmt Ihr gleich die benötigte Startflüssigkeit für den neuen Ansatz.
  3. Den restlichen Kombucha füllt Ihr mit Hilfe eines Trichters in Flaschen, die Ihr nun im Kühlschrank aufbewahren könnt. Das Getränk ist dort mindestens einen Monat haltbar.
https://www.hauptstadtgarten.de/kombucha-selber-machen/

Tipp: Ihr könnt den Kombucha geschmacklich noch pimpen, wenn Ihr jetzt Kräuter oder Früchte zugebt und ihn für weitere 2-3 Tage bei Zimmertemperatur stehen lasst. Bitte den Flaschendeckel dann aber nicht ganz fest verschließen, da Gase entstehen und sonst vielleicht die Flasche kaputt geht. Ein toller Nebeneffekt der zweiten Fermentation: es bildet sich mehr Kohlensäure und der Kombucha wird noch erfrischender.

Gut zu wissen

Kombucha enthält als Nebenprodukt des Fermentationsprozesses geringe Mengen Alkohol – den enthält selbst gepresster Apfelsaft übrigens auch. Da der Alkoholgehalt im Kombucha meist unter 1% liegt, könnt Ihr ihn eigentlich vernachlässigen. Für Kinder oder Menschen mit Alkoholproblemen würde ich ihn zur Sicherheit trotzdem nicht empfehlen.

Kombuchapilz Scoby

Welche Gefäße eignen sich für den Kombucha Ansatz?

Eigentlich gilt: Je größer desto besser, denn dann kann man mehr Kombucha ansetzen. Große Gläser sind allerdings ziemlich teuer. Vom Blumenhändler Blomoon hätte ich eigentlich noch eine Vase übrig, die perfekt passen würde. Leider haben wir uns aber kurz vor dem Einzug des Scoby entschieden aus ihr ein kleines Sukkulenten-Terrarium zu machen… Ich nehme nehme für den Kombucha Ansatz Weckgläser mit 1,5 L Fassungsvermögen. Sie sehen schön aus, sind verhältnismäßig günstig und haben unter dem Rand eine Einkerbung, in der der Gummi zur Befestigung der Küchenrolle super hält. Mittlerweile fermentiere ich 3 Ansätze parallel, da so alle paar Tage neuer Kombucha trinkfertig ist.

5 Tipps für Eure Kombucha Produktion:

  1. Es ist ganz normal dass sich an der Oberfläche mit der Zeit ein neuer Scoby bildet, aber auch wenn der bestehende Scoby zu Boden sinkt und/oder sich kleine Bläschen bilden, ist alles ok.
  2. Zwischen den einzelnen Ansätzen ist es sinnvoll, das Glas sorgfältig zu säubern. Nehmt dazu den Scoby mit sauberen Händen heraus und legt ihn in eine Schüssel. Bitte bringt ihn nicht mit Metall in Kontakt, das verträgt er nämlich nicht.
  3. Ein Scoby besteht aus mehreren Scheiben. Wenn ihr ihn teilen möchtet, könnt Ihr ihn einfach auseinanderziehen.
  4. Legt den Scoby am besten mit der neuen Seite nach oben in den Ansatz. Falls er dann nach einigen Ansätzen sehr dick geworden ist, könnt Ihr den unteren, älteren Teil ablösen und entsorgen.
  5. Vor der Arbeit mit dem Kombucha bitte immer gründlich die Hände waschen. Alle Utensilien möglichst sauber halten und vor der Benutzung heiß abspülen oder sterilisieren. Durch seinen sauren PH-Wert können sich „böse Bakterien“ im Kombucha nicht gut entwickeln, dennoch ist Hygiene natürlich wichtig, damit nichts schief geht.

Eine Kombucha Pause einlegen

Wenn Ihr den Kombucha mal vergessen habt oder wenn Ihr in den Urlaub fahren möchtet, könnt Ihr den Scoby bis zu acht Wochen einfach in der Flüssigkeit belassen. Das Getränk wird zwar irgendwann so sauer, dass man es nicht mehr gut trinken kann, es eignet sich aber super als leckerer Essig für den Salat. Falls Ihr die Fermentation richtig stoppen möchtet, dann gebt den Scoby mit etwas Kombucha in einem verschlossenen Schraubglas in der Kühlschrank. In diesem Scoby Hotel kann er problemlos mehrere Wochen ruhend aufbewahrt werden.

Kombucha fermentieren und brauen

Und wo bekomme ich einen Scoby?

Hört sich super an, und Ihr möchtet jetzt auch Tee fermentieren? Meinen Scoby habe ich ganz nach dem Hermann-Prinzip von meiner Mutter bekommen und er vermehrt sich seitdem fleißig weiter. Ihr könntet also mal in Eurem Bekanntenkreis rumfragen, ob zufällig jemand Kombucha selber macht und Euch etwas Scoby abgibt. Alternativ gibt es die Kultur auch zu kaufen. Entweder den reinen Scoby* oder ein ganzes Starterset mit Glas* und allem möglichen Zubehör. Wie ich gelesen habe, soll es auch möglich sein, aus einem lebendigen Kombucha einen Scoby zu züchten, das habe ich aber selbst noch nicht ausprobiert. Falls das von Euch schon mal jemand ausprobiert hat, freu ich mich über Tipps!

Nun bleibt mir nur noch, Euch viel Spaß beim Fermentieren zu wünschen. Ich bin gespannt, ob Ihr es genauso super findet wie ich!

 


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