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Torf kommt mir nicht in den Kübel

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Vielleicht denkt Ihr beim Wort Moor wie ich als Erstes an die Filmszene aus „Die unendliche Geschichte“, in der Artax, das treue Pferd Artrejus im Sumpf der Traurigkeit versinkt? Diese eher deprimierende Assoziation wollte ich in Vorbereitung auf diesen Beitrag unbedingt überprüfen und habe deshalb neulich einen Ausflug ins Moor nach Briesetal gemacht. Dort war ich ganz bezaubert von der schönen und friedlichen Waldlandschaft, den Grüntönen, Moosen, Flechten, Farnen und der Vielzahl an Insekten, die mir unterwegs begegnet sind. In großen Bereichen steht das Wasser auch nicht sichtbar über dem Boden, sondern knapp darunter bei z.B. -10 cm. 

Weltweit machen intakte Moorböden leider nur noch ca. 3% der Fläche aus, speichern aber im Torf riesige Mengen Kohlenstoff: mehr als alle Wälder zusammen! In Deutschland bedeckten Moore ursprünglich knapp 1,3 Millionen Hektar des Landes. Bis heute wurden sie jedoch zu über 95 Prozent hauptsächlich für die Land- und Forstwirtschaft, aber auch für den Torfabbau trockengelegt. Die Entwässerung galt damals als wichtige Kulturleistung, die viele Gebiete für den Menschen erst nutzbar machte. Leider gingen dadurch aber auch wichtige Lebensräume seltener Tier- und Pflanzenarten verloren.

Was spricht gegen den Torfabbau?

Torf wird in ganz Europa in großen Mengen im Gartenbau verwendet. Aktuell liefert er sogar noch knapp 60% des Ausgangsmaterials aller hergestellten Substrate. Er besteht etwa zur Hälfte aus Kohlenstoff, der durch die Trockenlegung von Mooren und den Torfabbau nicht mehr unter Wasser im Boden gebunden ist, sondern im Laufe der Zeit durch Oxdation als CO2 freigesetzt wird und nach und nach in die Atmosphäre aufsteigt. Zudem speichern Moore Stickstoff, der bei Entwässerung in klimaschädliches Lachgas (N2O) umgewandelt wird. Durch die Auswaschung von Nitrat und Phosphat aus entwässerten Moorböden werden Oberflächengewässer mit großen Nährstoffmengen belastet. Wenn man sich das alles vor Augen hält, wird klar: Torf gehört ins Moor und nicht in den Garten!

Torf als Pflanzsubstrat

Was ist eigentlich so toll am Torf?

Seine Beliebtheit im Garten liegt vor allem an seinem geringen Preis, seiner guten Wasserhaltefähigkeit und dem geringen Gewicht mit daraus folgend geringen Transportkosten. Weiter hat er keine Krankheitskeime oder Unkrautsamen im Gepäck. Sogar seine Nährstoffarmut kann Vorteile haben: die Erdenhersteller können ihre Substrate gezielt aufdüngen und optimal auf die Bedürfnisse unterschiedlicher Kulturen einstellen.

Und die Nachteile von Torf?

Wenn Torfsubstrate einmal ausgetrocknet sind, können sie Feuchtigkeit schlecht wieder aufnehmen und auch bei der Luftkapazität (wichtig, damit Wurzeln nicht faulen) schneidet er nur mittelmäßig ab. Außerdem enthält Torf keine lebendigen Mikroorganismen, die aber für die Umwandlung organischer Dünger wichtig sind.

Tipps zum Gärtnern ohne Torf

  • Torffreie Erden können Wasser etwas schlechter speichern und Pflanzen benötigen daher ca. 10% mehr Wasser. In Kübeln und Blumenkästen könnt Ihr das mit einer Beimischung von Tongranulat oder Perlite ausgleichen.
  • Torffreie Erden müssen regelmäßiger gedüngt werden, da Nährstoffe nicht ganz so gut gehalten werden können. Organische Langzeitdünger wie Schafwollpellets schaffen Abhilfe!
  • Weil Mikroorganismen in torffreien Erden aufgrund ihrer Zusammensetzung aktiver sind, sollte ein geöffneter Sack nicht zu lange gelagert werden. 
  • Aussaaterden für Keimfreiheit ca. 30 Minuten bei ca. 100°C im Backofen sterilisieren.

Tipps zur Auswahl torffreier Erden

  • Achtet auf die Bezeichnung „Torffrei“ oder „ohne Torf“. Im Kleingedruckten der Verpackung sind die Ausgangsstoffe und ggf. vorhandene Gütesiegel angegeben.
  • Testet verschiedene Erden in kleineren Gebinden aus und notiert, welche für Euch am besten funktioniert hat, z.B. in Hinblick auf Wasserspeicherfähigkeit, Struktur des Materials, Geruch, Pflanzenwachstum und -gesundheit.
  • Besonders bei Substraten für Zimmerpflanzen und Anzucht in der Wohnung kann der Geruch eine große Rolle spielen.
  • Eine Marktübersicht findet Ihr in der Produkt-Datenbank der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR), die über 250 torffreie Produkte listet: www.torffrei.info
  • Achtet bei Kokosfasern auf faire Herstellung und bedenkt die langen Transportwege.
Moor Biesenthal torffrei gärtnern

Torfersatzprodukte

Kompost

Kompost ist ein guter Torfersatz, den man im Garten leicht selbst herstellen kann. Mischt ihn aber möglichst mit bestehender Gartenerde oder etwas Sand, da er sich aufgrund seines höheren pH-Werts und Salzgehaltes sonst nicht für alle Kulturen eignet: Insbesondere betrifft das Pflanzen, die saure, kalkarme Böden benötigen. Erdenwerke nutzen 20-40 Prozent Kompost als Ausgangsmaterial. Sogenannter Substratkompost ist reifer, sterilisierter und biologisch stabilisierter Kompost mit begrenzten Mengen an löslichen Pflanzennährstoffen und Salzen und wird durch das RAL-Gütezeichen gekennzeichnet. Ihr bekommt ihn günstig bei vielen lokalen Anbietern.

Holzfasern

Auch Holzfasern sind schon heute Bestandteil vieler Erden. Man produziert sie aus Restmaterial von Nadelhölzern, die in Sägewerken anfallen. Substrate mit Holzfasern sind gut wasserdurchlässig und können viel Luft speichern. Pflanzen in Erden mit großem Holzanteil müssen daher häufiger bewässert werden, sind aber dafür nicht anfällig für Staunässe.

Kokosfasern

Kokosfasern und Kokosmark fallen als Reststoffe bei der Verarbeitung von Kokosnüssen an. Auch sie haben eine höhere Luftkapazität, aber eine geringere Wasserhaltefähigkeit als Torf und sind aus gärtnerischer Sicht gut geeignet. Ich persönlich versuche sie zu vermeiden, da sie sehr lange Transportwege haben und für mich als Verbraucher schwer nachvollziehbar ist, aus welchen Quellen sie stammen und ob dort Menschen oder Ökosysteme unter dem Anbau leiden.

Torfmoos

Seit einiger Zeit untersuchen Forscher, ob man Torfmoose auf ehemaligen Hochmoorflächen als Ersatzstoff anbauen kann. Dafür wurden Flächen wiedervernässt und Versuche mit einer sogenannten Paludikultur gestartet. Die Moose aus der Familie „Sphagnum” werden nach einiger Zeit geerntet und getrocknet und Erden zugesetzt. Da auch Torf zum großen Teil aus abgestorbenen Moosen besteht, und diese ähnliche Eigenschaften aufweisen (strukturstabil, leicht, geringer Nährstoffgehalt und pH-Wert), sind die bisherigen gartenbaulichen Versuche sehr vielversprechend. Der postitive Nebeneffekt: im Bereich der Anbauflächen nimmt durch die Vernässung der Ausstoß von Treibhausgasen ab. Bis zu einer guten Wirtschaftlichkeit wird es wohl noch eine Weile dauern, aber ein Anfang ist gemacht!

Torffreie Erde

Torffreie Kübel und Kisten

Substrat zum Auffüllen meiner Beete stelle ich größtenteils selbst her, indem ich meinen Grünschnitt konsequent kompostiere. Das spart Zeit und Geld, da ich nichts wegfahren muss und vermeidet bei der Wiederbeschaffung neuer Erde zusätzlich Müll. Zusätzlich nutze ich Kübel und Apfelkisten als kleine mobile Beete für Blumen und Gemüse. Wenn ich dafür doch einmal Erde zukaufe, wähle ich  — aus oben genannten Gründen — nur torffreie Produkte. Noch ein Tipp: Substrat in Kübeln und Balkonkästen müsst Ihr nicht jedes Jahr komplett austauschen. Man kann es mit Kompost, Hornspänen und Rinderdung leicht wieder aufbereiten.


Auberginen im Kübel anbauen

Aubergine im Kübel anbauen

Einige Jahre habe ich erfolglos versucht Auberginen im Garten anzubauen. Da sie sehr wärmeliebend sind, war meine Vermutung, dass das kühle Berliner Klima das Problem ist und hätte schon fast aufgegeben, als ich den Tipp bekam, es mal mit Topfkultur zu versuchen. Da das tatsächlich super klappt, gebe ich diesen wertvollen Tipp also gerne an Euch weiter!

Auberginen aussäen

Ich säe sie Mitte Februar in der Wohnung aus und unterstütze das Wachstum in der noch dunklen Jahreszeit mit Licht aus LED-Pflanzenlampen. Im Mai ziehen die dann gut entwickelten, kräftigen Pflänzchen in einen Topf in den Garten um.

Auberginen-Favoriten

Tsakoniki | mittelgroße Früchte, lila-weiß gestreift
Small Fingers | klein, dunkelviolett, großer Ertrag
Black Beauty | große, runde, dunkelviolette Früchte

Fun-Fact: Im Englischen heißen Auberginen ‚Eggplant‘, da es eine Sorte gibt (Japanesse White Egg), die wirklich aussieht als hingen Eier an der Pflanze. Die möchte ich in der kommenden Saison unbedingt ausprobieren sowie die Sorten ‚Hansel‘ und ‚Gretel‘ — einfach der niedlichen Namen wegen.

Auberginen pflanzen

Pflanzen nach den Eisheiligen in einen Topf mit mindestens 20 Litern setzen. Noch besser ist eine Kiste oder ein Kübel, der einen ganzen Sack Erde fasst. Am Besten gleich einen Bambusstab als Stütze mit einsetzen. Dann regelmäßig wässern und 14-tägig mit einem organischen Flüssigdünger versorgen. 

Auberginen ernten

Im Freiland reifen die ersten Exemplare ab Ende Juni. Dass sie reif sind, erkennt Ihr an Farbe und dem Glanz der Schale. Wenn Ihr die Früchte leicht eindrückt, sie nachgeben aber wieder die Ausgangsform annehmen. Erntet möglichst, bevor die Kelchblätter braun werden, da überreife Auberginen schwammig werden können. Schneidet sie dazu mit einer scharfen Schere oder Messer ab, um nicht versehentlich den kompletten Trieb abzureißen.

Krankheiten und Schädlinge 

Die Jungpflanzen sind im Haus etwas anfällig für Spinnmilben und Mimiermotten. Ich besprühe sie daher gelegentlich mit frischem Wasser. Als Nachtschattengewächse sind die jedoch anfällig für Krautfäule. Versucht daher die Blätter nach dem Auspflanzen ins Freiland möglichst trocken zu halten.

Auberginen lagern und zubereiten

Am besten schmecken sie frisch geerntet und direkt verarbeitet, sie halten sich aber auch einige Tage bei ca. 10°C. Ich schneide die Früchte vor dem Verwenden gerne längs auf, ritze sie kreuzweise ein, bestreue sie mit etwas Salz und lasse sie so für ca. 30 Minuten entwässern. Nun kann man sie in Olivenöl scharf anbraten und/oder im Backofen rösten.

Ich wünsche Euch ganz viel Freude und Erfolg bei der Auberginen-Topfkultur!


Dieser Artikel ist entstanden in Zusammenarbeit mit der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) als Projektträger des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Ich freue mich sehr über die Unterstützung, dieses wichtige Thema immer mehr Menschen nahe zu bringen. Unter www.torffrei.info findet Ihr ganz viele weitere Informationen zum Thema Torfminderung und vielleicht habt Ihr Lust, diesen Fernsehbeitrag zu gucken:

Bitte weitersagen!

Tragt die Botschaft zum Gärtnern ohne Torf bitte auch in Eure Freundeskreise und Gärten und gebt Infos und Argumente gerne weiter. Ich freue mich zusätzlich, wenn Ihr uns einen Kommentar hinterlasst und mit uns teilt, wie Ihr zum Thema Torf steht, welche Ersatzstoffe für Euch am besten funktionieren und ob Ihr vielleicht in Eurer Nähe ein Kompostierter empfehlen könnt!

Herzliche grüne Grüße, Caro! 

Schon gewusst?

Pro Jahr schrumpfen trockengelegte Moorböden um ca. 0,5 bis 2 cm durch die Oxidation bei der ein Teil des organischen Bodens verloren geht. Man nennt das Torfsackung. Im Laufe der Zeit kann das zu einer merklichen Absenkung des Bodenniveaus führen und die Bewirtschaftung der Fläche in Abhängigkeit vom Grundwasserspiegel sogar unwirtschaftlich werden..

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